Novartis-Chef Dr. Jörg Reinhardt in der Höhle des Löwen

Novartis-Chef Dr. Jörg Reinhardt in der Höhle des Löwen

Februar 10, 2017

In Bezug auf Corporate Governance habe sich Novartis unter Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt vom Saulus zum Paulus gewandelt, schrieb die "Finanz und Wirtschaft". Tatsächlich war es schon aussergewöhnlich, dass der Chef sich während einer ganzen Stunde beim 20-jährigen Jubiläum der Stiftung "Ethos - Stiftung für nachhaltige Anlagen"  zeigte und sogar die Festansprache hielt. Er stahl damit Bundesrätin Simonetta Sommaruga (fast) die Show, die dem Geburtstagskind ebenfalls als Festrednerin die Ehre erwies. Jedenfalls wäre undenkbar gewesen, dass der Vorgänger von Jörg Reinhardt - Daniel Vasella - sich je in dieser Runde gezeigt hätte. Reinhardt aber sieht das ganz entspannt. Er betonte in seinem Referat die Wichtigkeit des Dialogs und sprach von einem "neuen Paradigma" der Corporate Governance. Demnach sollen Partnerschaften zwischen Investoren und Unternehmen entstehen. Explizit begrüsste Reinhardt die "dezidiert langfristige Perspektive", die BlackRock, die weltgrösste Vermögensverwalterin, einnehme. Langfristige Partnerschaften sollen es ermöglichen, eine Balance zu finden zwischen oft divergierenden kurz- und langfristigen Aktionärsinteressen und den Anliegen anderer Anspruchsgruppen (Gesellschaft, Staat). Die Worte waren so anerkennend, dass Moderatorin Esther Girsberger am Schluss vermerkte, dass sei ja fast schon als Liebeserklärung aufzufassen. "Ganz so weit will ich jetzt doch nicht gehen", raunte Reinhardt ihr gut gelaunt zu. Eine gute Beziehung zu "Ethos" hatte Simonetta Sommaruga schon immer. Sie kannte die Ziele der Stiftung, bevor diese sich überhaupt formierte, war sie als Geschäftsführerin der Konsumentenstiftung in den 90er-Jahren doch mit der Nachhaltigkeit sehr früh vertraut. Ein klein wenig war sie dann aber doch enttäuscht, dass das ihr gut gesinnte "Ethos"-Festpublikum in ihrem Bestreben, bei der Aktienrechtsrevision eine Geschlechterquote nach dem Grundsatz "Comply-and-explain" (also ohne Sanktionen) einzuführen, nicht folgen wollte. Bei einer Abstimmung über diese Frage sagte das Publikum zu 33 Prozent, diese Regelung sei richtig. 28 Prozent waren gegen eine Geschlechterquote in irgend einer Form. Allerdings sassen im Publikum überwiegend Männer.